Gefühle zeigen

Ein Klassiker: wir waren neulich im Wald und sassen um ein schönes Feuer. Ich schwärmte vom Grün der Bäume und von der erwachenden Natur im Frühjahr, die ich auf einer Wanderung gerade erlebt hatte. Und erzählte noch, wie wir früher unsere Mutter belächelten, wenn sie über das wunderschöne Lindengrün der jungen Buchenblätter im Frühjahr schwärmte. Wir Kinder fanden das irgendwie belustigend. Da sagte ein junger Mann in unserer Runde, dass das jetzt aber schön sei, dass ich das erzähle. Ihn hätte man nämlich neulich in der Familie ausgelacht, als er sich über das Grün im Garten freute und dies auch zum Ausdruck brachte. Ein Mann, der über die Natur ins Schwärmen kommt! Das geht doch nicht – dachten sie. Ein „richtiger“ Mann freut sich allenfalls über Sport, Motoren, schöne Frauen. Aber über Blumen im Garten? Das ist irgendwie suspekt.

Einen Klassiker finde ich das, weil es für mich zentral zum Thema dieses Blogs, zu Männerherz, passt. Wir lassen uns sehr leicht in Muster und Rollen zwängen, die uns von unserer Ganzheit trennen. Ein ganzer Mann, ein vollständiger Mann darf sich über alles freuen, was sein Herz erfreut. So wie es selbstverständlich auch alle Frauen dürfen. Sie schliesse ich nie aus, aber betrachten möchte ich hier „unsere“ Seite, die Männerseite. Schliesslich hängt ohnehin wieder alles zusammen. Wenn wir als Männer unsere Männerbilder hinterfragen und wenn wir uns auf unsere Menschlichkeit besinnen, verändern wir auch unser Verhältnis zu den Frauen. Und umgekehrt. Das eine geht nicht ohne das andere.

Also: Männer dürfen, ja müssen ihre Gefühle zeigen! Das ist nicht nur einzelnen Poeten und Liedermachern vorbehalten. Bevor wir die Gefühle aber nach aussen zeigen können, müssen wir sie zuerst selbst wahrnehmen. Wer die Schönheit der Natur nicht erkennt, kann sie auch nicht mit anderen teilen. Zunächst geht es also darum, achtsam zu sein, die Fülle des Lebens wahrzunehmen, die Wunder der Erde zu sehen und zu hören. Wir nehmen diese äusseren Elemente wahr und sind uns dessen bewusst (, dass wir sie wahrnehmen). Es ist ein Geschenk, wenn wir diese Schönheit sehen. Denn sie ist eigentlich immer da. Entsprechend erfüllt mich Dankbarkeit, wenn ich sie erkenne. Für mich selbst ist sie aber nur wirklich, wenn ich sie auch bewusst wahrnehme. So erschaffen wir unsere Wirklichkeit. Wenn wir achtsam sind, entdecken wir die Fülle, die Vielfalt, die Schönheit des Lebens. Das ist der entscheidende Schritt.

Und im nächsten Schritt dürfen wir dazu stehen, dass wir diese Schönheit sehen. Wir dürfen auch als Männer zeigen, dass wir diesen erwachenden Frühling lieben. Dass wir Freude haben an der kleinen Blume am Wegrand, an den spriessenden zarten Blättern der Bäume, am Duft der Blüten, an den singenden Vögeln und den summenden Bienen. Weil ich darüber geschwärmt habe, wie schön es auf einer mehrtägigen Wanderung durch die Natur war, wie kraftvoll dieses Grün ist, fühlte sich mein junger Kollege bestärkt. Noch vor Kurzem hatte man ihn deswegen ausgelacht. Nun hört er seine eigenen Gedanken von einem anderen Mann – und das tat ihm sichtlich gut. Und eigentlich steckt hinter meinem Blog genau diese Überlegung: Ich möchte euch Männer ermutigen, zu eurer spirituellen Seite, zu eurer Herzensebene zu stehen. Ein richtiger Mann lebt sein Männerherz.

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