Loslassen – wie geht das?

Loslassen ist zweifellos ein grosses Thema. Am Anfang meines Wegs habe ich mir unter loslassen vorgestellt, man müsse Dinge, Emotionen oder Beziehungen loswerden, abstossen. Ich verband es mit einer Aktivität, um unliebsame Aspekte abzuschütteln. So ungefähr jedenfalls. Später kam ich zur Einsicht, dass loslassen genau umgekehrt bedeutet, dass man etwas annimmt. Also nicht negieren, sondern bejahen. Ich zitiere hier wieder aus David R. Hawkins Buch „Loslassen“. Er schreibt (S.296 in der englischen E-Book-Ausgabe):

We surrender a feeling by allowing it be there without condemning, judging, or resisting it. We simply look at it, observe it, and allow it to be felt without trying to modify it. With the willingness to relinquish a feeling, it will run out in due time.

Es geht ja im ganzen Buch ums Loslassen, aber hier beschreibt Hawkins das grundlegende Prinzip: wir lassen los oder geben auf, indem wir einem Gefühl erlauben da zu sein, ohne zu verurteilen, zu werten oder Widerstand zu leisten. Wir betrachten das Gefühl, beobachten es und fühlen es ohne den Wunsch es zu verändern. Mit dem Wunsch das Gefühl loszulassen, verflüchtigt es sich bald.

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Abendstimmung über dem Vierwaldstättersee – Blick von Luzern Richtung Pilatus

Hier stecken einige wichtige Grundsätze drin: Entscheidend sind die Emotionen, nicht die Gedanken. Negative Gedanken kann man nicht verdrängen – sie verschwinden, wenn man das zugrunde liegende Gefühl loslässt. Und dies erreicht man, indem man keinen Widerstand leistet, dass man die Gefühle annimmt ohne zu werten. Das gilt eigentlich für alles, was um uns und mit uns geschieht. Wenn wir das, was ist, annehmen können, befreit uns das. Wenn wir negative Gefühle nicht zu verdrängen versuchen, sondern sie annehmen und uns fragen, was sie für uns bedeuten und uns sagen wollen, werden wir von ihnen nicht mehr überwältigt. Und dann machen uns diese Gefühle auch keine Angst mehr, können uns nicht mehr einschränken.

Mit dieser Haltung können uns alle Stürme im Beruf und in Beziehungen nichts mehr anhaben. Ja, diese Stürme dienen uns dann einfach als Übungsfeld. Wir können der Wut, der Trauer oder dem Frust danken für diese Gelegenheit, hinter unsere Muster zu kommen und diese aufzulösen. Wenn Du Dich zurückgesetzt, abgewiesen, ungeliebt fühlst, danke für die Möglichkeit, das genau anzuschauen. Fühle, was passiert, staune über das, was in Dir abgeht. Und dann entdeckst Du, was dahinter verborgen ist. Und dann kannst Du Hawkins Methode anwenden: fühle, werte nicht, akzeptiere. Du musst das Gefühl nicht benennen, nicht verstehen.

Und wenn Du dann eine Situation, vor der Du Dich immer gefürchtet hast, so durchlebst und dann feststellst, dass Du es überstanden hast, bist Du befreit.

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