Der Grüne Mann

Grüner Mann, Wilder Mann: Er hat schon länger in mir geschlummert, nun tritt er aus dem Verborgenen und will sich zeigen. Als Wilder Mann habe ich ihn in der Manngeburt kennengelernt. Und als Grüner Mann wurde er mir von der weiblichen Seite (wieder mal…) in Erinnerung gerufen.

Der Wilde Mann war das Thema im ersten Seminarwochenende der Manngeburt. Ausgehend vom Märchen Eisenhans haben wir ihn als männliche Urkraft kennengelernt, die in allen Männern schlummert und geweckt werden will. Ich erinnere mich noch lebhaft an den Tanz der wilden Männer – ich mitten drin trommelnd und tanzend. Aber am Anfang der Manngeburt war das noch ein zartes Pflänzchen. So schnell liess sich der Wilde Mann nicht aus der Versenkung locken. Ich kam ihm und seiner Kraft aber näher mit jedem Wochenende und mit jeder Vertiefung der verschiedenen Archetypen. Ich habe hier im Blog schon ausführlich darüber berichtet. Stefan Wolff bezeichnet den Wilden Mann als den „Hauptarchetypen, dessen entwickelte Qualität gerade in dieser Zeit so dringend benötigt wird.“ (Kommentar auf Facebook).

Es war etwa vor drei Wochen, da schickte mir meine Geliebte einen Link zu einem Beitrag von „Altes Wissen“ auf Facebook. Hinter Altes Wissen steht Adelheid Brunner, die einen schamanischen Zugang zu altem Wissen gibt. Meistens geht es um weibliche Aspekte, aber dieser Beitrag war dem Grünen Mann gewidmet, und wie sehr die Welt ihn braucht. Jetzt hat sie auch einen Blogbeitrag zum Grünen Mann veröffentlicht. Ich bin nicht weiter erstaunt, dass ich dies von einer Frau lernen darf – das passiert mir bei spirituellen Themen sehr oft. Ich gebe den Inhalt des Beitrags kurz in eigenen Worten wieder – aber es lohnt sich, ihn im Original zu lesen. Einem anderen Beitrag habe ich entnommen, dass die Autorin offenbar öfters gerade von Männern angefeindet wird. Vermutlich weckt ihr Zugang zur weiblichen Urkraft bei einigen, unreifen Geschlechtsgenossen alte Ängste. Dabei können wir so viel lernen – und uns von alten Mustern lösen. Also, der Grüne Mann ist laut Adelheid Brunner das verdrängte Gegenstück zur weiblichen Erdgöttin. Und beide brauchen einander, um unseren wunderbaren Planeten zu hüten und zu schützen. Der Grüne Mann verkörpert diese schöpferische männliche Urkraft, die voller Liebe für die Erde und ihre Geschöpfe ist. Wer zu ihr findet, der schöpft aus dieser Quelle und bringt diese positive Energie auf die Welt. Der Grüne Mann ist – natürlich – naturverbunden, kennt sich mit ihr aus, weiss, wie man sie achtsam nutzt. Ja, und dieser Grüne Mann wurde zusammen mit den weisen Frauen verdammt – er wurde zum Gehörnten, zum Teufel und sie wurden zu Hexen. Denn die Kirche duldete keine urtümlichen Kräfte, welche ihren Herrschaftsanspruch und die Deutungshoheit über unser Glück und Seelenheil hätten in Frage stellen können. Mit dem weiblichen Element wurde auch der schöpferische Wilde oder Grüne Mann bekämpft und verdrängt.

Und nun zu mir und dem Grünen Mann: Nachdem ich den ersten Beitrag gelesen hatte, verstärkt sich meine Sehnsucht nach der Natur sehr stark. Ich bin ihr schon immer sehr verbunden, habe aber nicht immer danach gelebt. In den letzten Jahren habe ich einen sehr unmittelbaren Zugang zur Natur und ihrer belebenden und beruhigenden Kraft gefunden. Mit meiner Geliebten, und auch alleine, geniesse ich es, in dieser Natur zu baden – im Wald, in den Bergen, über Wiesen, in Gewässern. Jetzt nahm das aber deutlich an Intensität zu: in jener Woche gelang es mir, jeden Tag einmal in den Wald zu gehen, diese Kraft wahrzunehmen – und dem Grünen Mann in mir zu begegnen. Er freute sich ungemein und blühte richtig auf. Ich schlief alleine unter einer kräftigen Buche. IMG_6603Und jetzt komme ich gerade von einer dreitägigen Wanderung mit meiner Geliebten zurück, auf der wir uns vorwiegend in Wäldern in meiner näheren Umgebung bewegten. Dort auch schliefen, direkt auf dem Erdboden unter den Sternen.

Die letzte Nacht haben wir unter einem grossen Ahorn verbracht, der seine ausladenden Äste wie zum Schutz über uns hielt.

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Ich habe gerade nachgelesen, wofür der Ahorn im keltischen Baumkreis steht: Der Lebensbaum Ahorn symbolisiert Freiheit und Wachstum. „Symbolisch stellt der Baum einen zuverlässigen Gefährten an der Seite des Menschen durch das Leben dar. Er soll durch die Kraft der Natur in allen Lebenslagen Halt und Orientierung geben.“ (www.baumkreis.de) Schön, denn genauso hat es sich angefühlt… Wie findest du das, wenn ich so schreibe? Es kommt aus dem Herzen, der Intuition, nicht aus dem Kopf, dem Verstand. Wir – damit meine ich unsere Gesellschaft – hat sich davon abgeschnitten. Und wir Männer haben das besonders konsequent getan. Wir haben dieses Wissen als Aberglaube lächerlich gemacht und die Träger*innen dieses Wissens vernichtet. Wir haben den Verstand zum höchsten erhoben („ich denke, also bin ich“) und uns komplett der Rationalität verschrieben. Wir haben uns von unserem Innersten, dem Herz, abgewandt und uns dem äusseren verschrieben. Wir machten uns die Erde untertan – mich christlichem Segen – und zerstörten dabei unsere Lebensgrundlage.

Deshalb ruft uns der Grüne Mann gerade jetzt. Mein Kollege Christian Meier hat diesen Ruf auch gehört und heute auf Facebook einen Beitrag zum Grünen Mann veröffentlicht. Er schreibt:

Der Geliebte der Erdgöttin

Der Grüne Mann oder Wilde Mann ist der sinnenfrohe, naturverbundene, lustbetonte, vitale und potente Fruchtbarkeitsgott, der in den tiefen grünen Wäldern lebt. Er kennt das Leben und das Verhalten der Tiere und Pflanzen.

Unheimlich kann er sein, gleichzeitig faszinierend in seiner Männlichkeit.

Er versinnbildlicht Wildheit und Leidenschaft, Liebe und Paarung, Wachstum und Fruchtbarkeit, Gemeinschaftssinn und Klugheit, Schutz und Fürsorge.

Kein Wunder, dass aus ihm ein anderer Gehörnter mit gespaltenem Huf gemacht wurde: einen so erdverbunden, lebensfreudigen, unabhängigen, lustvollen Mann konnten die prüden Kirchenmänner nicht dulden, und flugs wurde der Teufel an die Wand gemalt.

Es braucht neben der erwachenden Weiblichkeit nun auch die Rückkehr des Grünen Mannes.

Es sind dies Qualitäten, die ich auch mit dem „Neuen Mann“ umschreiben würde. Es ist der sinnliche, starke, einfühlsame, lebensfreudige Mann. In meinem Bericht über die Manngeburt habe ich beschrieben, wie für mich dieser Teil – der körperbewusste, starke, liebevolle Mann – am Kriegerwochenende und dann vor allem auf der Visionssuche so richtig zum Vorschein kam. Nur mit ihm sind wir vollständig. Nur mit diesem irdischen, verwurzelten wilden Kerl sind wir ganze Männer. Ich fühle ihn am stärksten in der freien Natur.

Ich habe in verschiedenen Blogbeiträgen darüber berichtet, falls du das Thema noch etwas vertiefen möchtest:

Ich lade dich herzlich ein, dich mit dem Grünen Mann vertraut zu machen. Ich bin jedenfalls dabei! Und meiner Geliebten danke ich von Herzen, dass sie mich auf dieser spannende Reise begleitet!

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