Natur pur

Die Ferien sind vorbei, doch weiterhin verbringe ich viel Zeit in der Natur. Mit meiner Partnerin oder auch alleine oder mit Freunden bin ich viele Tage in den Bergen unterwegs gewesen, habe oft draussen geschlafen. Nächste Woche wollen Hannes und ich wieder mit einer Gruppe Männer auf dem Männer-Hike unterwegs sein. Was bedeutet mir dieses Draussensein, diese Verbindung mit der Natur?

In der Natur kann ich mich intensiv fühlen. Zum einen ist da immer eine gewisse körperliche Herausforderung, die mich am Abend müde ins Bett sinken lässt. Diese zufriedene Müdigkeit habe ich nur nach einer körperlichen Aktivität. Und sie tut so gut nach vorwiegend geistiger Arbeit.

Die Natur bietet mir viele und intensive Sinneseindrücke. Ich rieche, wie die Sonne das Harz der Föhren wärmt und duften lässt. Ich rieche an einer Blume und staune, wie das Männertreu nach Vanille riecht. Ich sehe Blumen in intensiven Farben und in einer Anordnung, die einfach nur schön ist. Wie sich diese Farben ergänzen und und ein absolut stimmiges Bild geben! Da frage ich mich, ob nicht dieses Urbild einer bunten Blumenwiese unseren Sinn für Schönheit überhaupt geprägt hat? Ein königsblauer Enzian neben einer goldgelben Arnika mitten in sattem Grün: wunderschön! Und ja, die Blumenwiese! Eine bunte Bergblumenwiese an einem schönen Tag mit blauem Himmel und tanzenden Schmetterlingen – es gibt kein beruhigenderes Bild für mich. Und es hat noch eine tiefere Dimension: als meine Mutter im Sterben lag, fragte ich sie, ob sie schon „drüben“ gewesen sei und was sie da gesehen habe. Weil sie sagte, sie sei irgendwie halb lebendig und halb schon tot. Da lächelte sie und sagte ja, sie hätte so schöne Blumenwiesen gesehen, wie ich sie jeweils fotografiere. Seither bin ich mir sicher, dass so der Weg in die andere Dimension aussieht: Wir schweben über eine bunte Blumenwiese.

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Und ja, dann kommt noch ein Vogel ins Bild. Am liebsten ein Adler. Bei mir ist es fast immer so, dass ich die Adler zuerst höre und dann hochschaue und sie kreisend am Himmel erblicke. Und wie sie da so majestätisch und ohne Flügelschlag kreisen, da erahne ich eine weitere Dimension. Die Welt öffnet sich, der Horizont weitet sich. Nach jedem schweisstreibenden Aufstieg wartet ein neuer Blick über die Landschaft auf mich. Da kann ich staunen und mich kaum satt sehen.

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Diese Sinneseindrücke – und es gäbe noch zahllose weitere – lassen in mir etwas anklingen. Sie sind sehr fein, sanft. Da ist kein Getöse, kein lärmendes Getue, das meine Aufmerksamkeit erheischen will. Ich brauche in diesem Moment rein gar nichts. Ich bin mir sehr nahe. Dieser feine Impuls von aussen lässt in uns Saiten anklingen. Diese Schwingungen tun uns einfach gut. Sie „machen“ uns nicht unbedingt glücklich, sondern lassen uns das Glück in uns fühlen. In einem solchen Moment fühle ich mich mit allem verbunden. Ich lebe und ich liebe.

Es gibt da diesen Moment auf einem sonnengewärmten Stein liegend nach einem Bad in einem kalten Bergsee, den Wind und die Sonne auf der Haut spürend… Da ist einfach alles enthalten. Ich fühle alle Elemente und bin mit ihnen direkt verbunden. Das Eintauchen ins kühle bis kalte Wasser eines Bergsees gehört dazu.

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Zum Naturerlebnis gehört auch das Trinken von frischem Quellwasser oder das Sammeln und Essen von Beeren. Wenn ich unterwegs auf einer Wanderung Beeren entdecke, esse ich liebend gerne davon. Die Beeren zu ernten und sie zu essen bedeutet, dass ich dieses Geschenk der Natur ehre und würdige.

Und dazu kann ich das oft mit einem lieben Menschen teilen. Manchmal sprechen wir es aus, manchmal braucht es keine Worte. Wir nehmen diese kraftvolle Energie in uns auf. Und es stellt sich ein Gefühl von Dankbarkeit ein. Dankbarkeit dafür, dass ich das so erleben darf, dass ich die Schönheit dieser Welt so sehen darf.

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Die Natur ist aber nicht nur sanft und schön, sie ist manchmal durchaus wild. Da sind die Herausforderungen, wenn ich vor einem steilen Abgrund stehe und da durch muss. Auch das Wetter kann anders. Ich bin mal auf einer Hochebene auf 2500m alleine in ein Blitz- und Hagelgewitter geraten. Da stösst man an seine Grenzen. Wild können die Flüsse sein, der Wind, die Kälte oder die Tiere. Wenn man ganz alleine draussen übernachtet, ist das nicht immer nur gemütlich. Das Bellen eines Rehbocks kann einen schön erschrecken. Zu wissen, dass es in der Gegend Wölfe gibt, sorgt nicht unbedingt für einen tiefen und sorglosen Schlaf. Wild sind auch die Hirsche, wenn sie im Oktober röhren, mit anderen Böcken kämpfen und wenn der Sieger die Weibchen begattet.

Ich bin sicher, meine Partnerin hat nichts dagegen, wenn ich sage, dass wir uns manchmal auch in der wilden Natur verbinden. In dieser Vereinigung unter den Sternen oder der Sonne auf Sand oder Waldboden verbinden wir uns nicht nur mit der anderen Person, sondern mit der gesamten Natur. Ich musste da zuerst gewisse antrainierte Hemmungen ablegen, bin aber sehr dankbar dafür, dass mich meine Partnerin immer wieder herausfordert und den wilden Mann in mir rauslockt.

Und in der Natur fühlt sich der Wilde Mann – und die wilde Frau – einfach am wohlsten. Hier kann er sich entfalten.

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