Immer wieder das Ego

Ich habe dem Ego ja schon einige Beiträge gewidmet. Aber da es sich immer wieder in den Vordergrund drängt, möchte es offenbar nochmals beschrieben werden. Nun denn: Neulich sah ich Bilder vom Treffen von Staatschefs. Da gab es diese Szene, als der US-Präsident Donald Trump seinen Amts-„Kollegen“ aus Montenegro rüde zur Seite schiebt, damit er den ihm gehörenden Platz in der Mitte einnehmen kann. Dann wirft er sich in Pose für ein Gruppenbild. Diese Geste und diese Haltung sind wieder einmal Ego pur. Es ist für mich faszinierend, dies so in aller Klarheit vorgeführt zu kriegen. Und ich bin mir sicher, dass dies genau deswegen so geschieht: Wir sehen hier das unverstellte, das „reine“ (so es denn rein sein kann) Ego. Dieses grosse Ego, das die kranke Seite unseres Seins und unserer Gesellschaft darstellt. Seht her, schreit es von den Bildern, seht her! Hier bin ich! So bin ich! Bin ich nicht grossartig? Aber nein, nicht alle sehen mich in voller Pracht! Na warte, wer sich mir in den Weg stellt, wird beiseite geräumt. Ha! Jetzt habe ich es dir aber gezeigt. Macht ihr jetzt das Foto? Leider müssen diese anderen Looser auch noch drauf. Eigentlich schade um das schöne Bild von mir… Also: das Ego nimmt sich selbst am wichtigsten und drängt sich in den Vordergrund.

Das Sich-in-den-Vordergrund-Drängen ist nur eine Seite, die uns das Ego in der Person des Grossen Präsidenten zeigt. Er ist eine unerschöpfliche Quelle für alle Spielarten und Formen des Ego. Allein in den letzten Tagen hat es sich in verschiedenen Aspekten gezeigt:

Das Ego fühlt sich als Opfer. Das Ego fühlt sich ungerecht behandelt und missverstanden. Es wird nie genug geliebt. Die anderen geben ihm nicht das, was es verdient. Dahinter verbirgt sich die Haltung, dass die anderen etwas für das Ego tun müssen. Sie müssen es beachten, loben, bewundern, lieben – oder wenn das nicht geht, dann eben beschimpfen, verachten, hassen. Dann kann es sich so richtig in seinem Opfer-Sein suhlen. Es lebt von dieser Energie. Da waren doch die Worte von D.T. neulich auf Twitter, wonach man mit ihm eine Hexenverfolgung veranstalte, die grösste gegenüber einem Politiker in der amerikanischen Geschichte… Und interessant finde ich, dass viele der populistischen Politiker mit dieser Opferhaltung bei ihrer Wählerschaft punkten. Vermutlich fühlen sich andere Menschen, die sich auch als Opfer sehen, von ihresgleichen verstanden. Obschon ja diese Ego-Persönlichkeit nach aussen imponieren will (siehe oben).

Das Ego hat offenbar keinen Humor. Danke für diese Einsicht, Mr. Trump. Ich habe noch selten einen Menschen (bzw. Bilder und Filmaufnahmen von ihm) gesehen, der keinen Humor hat. Schadenfreude mag es geben, aber herzlich lachen habe ich ihn noch nie gesehen. Humor ist eben, wenn man auch über sich selbst lachen kann. Und das liegt dem Ego fern. Das würde ja bedeuten, man würde seine Verteidigung vor dem Feind entblössen. Die anderen könnte ja mitlachen und einen auslachen!

Das Ego lächelt nicht. Ein sanftes, friedliches Lächeln ist Sinnbild für die Buddha-Natur. Wer mit sich im Reinen ist, wer sich am Leben und am Jetzt freut, lächelt. Wie könnte das Ego mit dem Jetzt im Reinen sein? Da gibt es immer noch was zu verbessern! Und wer weiss, was morgen kommt. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben – am besten gar nicht, denn es kommt sicher noch eine böse Überraschung. Und wenn nicht, dann vermutlich morgen. Die Feinde sind immer irgendwo am irgendetwas aushecken. Da darf man nicht ruhen, sonst werden wir besiegt.

Das Ego kennt keine Liebe. OK, das ist etwas viel in die Bilder und Statements hineininterpretiert, aber sie erwecken den Eindruck, dass die vom Ego beherrschte Person eine andere Person nicht lieben kann. Ich glaube auch nicht, dass es sich selbst richtig liebt. Das würde ja schon wieder bedeuten, man sei in diesem Moment mit sich im Reinen. Wenn sich jemand selbst liebt, ist der glücklich – und das sieht man ihm an (siehe oben!). Bezüglich der Partnerschaft liesse sich auch einiges aus diesen Bildern lesen.

Das Ego ist nicht empathisch. Empathie? Noch nie gehört! Erst kommen wir, also ich und mein Land. Alles andere ist mir egal. Diese America first-Devise passt genau dazu. Wir gegen die andern. Nur stellt sich dann schnell die Frage, wer mit diesem Amerika und dem Wir genau gemeint ist. Sicherlich sind es nicht alle. Es sind immer nur die gemeint, die mir selber etwas bieten können, die mir nützlich sind, die mir wohlgesinnt sind. Die fehlende Empathie haben politische Kommentatoren beim amtierenden US-Präsidenten schon mehrfach erwähnt. Es bedeutet auch, dass die Person ihrem Gegenüber nicht zuhören kann. Man geht nicht auf deren Argumente ein, sondern verteidigt einfach die eigenen. Kommunikation ist so nicht möglich. Entsprechend ratlos hinterlässt der POTUS seine Gesprächspartner auf dem internationalen Parkett.

Das Ego kennt kein Mitgefühl. Dafür müsste es sich in die andere Person hineinversetzen können, müsste fühlen können, was das eigene Verhalten im andern auslöst oder weshalb die andere Person in der gegenwärtigen Situation leidet. So weit kommts noch! Die anderen sind selber Schuld. Ich habe es schliesslich auch nicht leicht, und ich habe alles selber erreicht. Mitgefühl gibt es auch nicht für die Umwelt, für die Natur. Rücksichtslose Ausbeutung der Natur gehört zum zerstörerischen Aspekt des Ego. Und hier wiederum ist der POTUS ein sehr genaues Spiegelbild unserer Gesellschaft und ihrer zerstörerischen Ausbeutung der Erde.

Und – ich habe es schon mehrfach geschrieben – dieses Spiegelbild ist das, was wir in diesem Auftritt des Ego in der Person des US-Präsidenten sehen sollen. Dahin führt uns das Ego. Auch wir haben einige dieser Aspekte – vielleicht besser gebändigt – in uns. Und diese Konfrontation mit dem Ego-Ebenbild legt uns nahe, dass wir uns mit dem Ego in uns beschäftigen sollen. Wir können anders! Du hast die Wahl, gerade heute damit anzufangen. Sei achtsam, würdige den gegenwärtigen Moment und erkenne die Fülle. Du bist nicht Opfer. Du brauchst keine Beachtung und Verehrung von andern. Du bist gut und hast alles in dir. Fühle still deine Stärke. Fühle die Verbindung mit allem – mit anderen Menschen, mit Tieren, Pflanzen, der Natur. Leiste keinen Widerstand gegenüber dem, was ist. Gehe in die Gefühle, auch wenn sie schmerzen. Und dann danken wir dem Grossen Ego, dass es seine hässliche Fratze so deutlich zeigt und sich nicht versteckt…

 

 

 

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