Knoten auflösen

Wir haben neulich darüber gesprochen, was es eigentlich bedeutet, wenn wir sagen, dass man negativ empfundene Gefühle „auflösen“ soll. Was tun wir eigentlich, wenn wir einer Empfindung nachgehen, sie wahrnehmen und sie „annehmen“? Es ist oft leichter gesagt als getan…

In einem früheren Beitrag habe ich über die Geschenke gesprochen. Es ist relativ einfach, etwas Schönes als Geschenk anzunehmen. Etwas schwieriger wird es, wenn wir eine weniger schöne Empfindung oder ein unschönes Ereignis als Geschenk annehmen sollen. Was es zunächst einmal braucht, ist die grundsätzliche Einstellung, dass das, was geschieht „gut“ ist. Es hat seinen tieferen Sinn, genau für mich und gerade jetzt in dieser Situation. Unsere erste Frage sollte entsprechend sein: was heisst das Geschehene für mich, was will mir das sagen? Das Vorgefallene (noch besser: das Vorfallende) zu akzeptieren, das So-Sein des Augenblicks anzunehmen, ist eine wichtige (wenn nicht die entscheidende) Grundhaltung.IMG_0031.JPG

Wenn wir nun feststellen, dass da etwas „Dunkles“, etwas Unangenehmes zum Vorschein kommt oder kommen will, dann sollten wir auch dies begrüssen. Hier kann ich schon das Geschenk erkennen, wenn die unangenehmen Emotionen mir einen Hinweis geben, wo noch etwas ans Licht gebracht werden will.

Was geschieht nun, wenn ich die hinter der Emotion verborgene Angst, Wut, Scham, Trauer usw. erkenne? Wir gehen tiefer hinein und fühlen sie in unserem Körper. Bei mir äussert(e) sich z.B. Angst als Druck unter den Ohren. Mit der Zeit wusste ich, wenn ich diesen Druck spürte: da macht sich Angst bemerkbar. Und man kann diesen alten Bekannten freundlich begrüssen: Ah, da bist du ja wieder! Das Fühlen im Körper ist wichtig, Bei mir hat dies die Wertschätzung für den Körper als intelligentes Wahrnehmungsinstrument sehr gestärkt.

Der nächste Schritt besteht darin, diese Empfindung anzunehmen. Man kann sie „ins Herz nehmen“. Das bedeutet, dass man Ja zur Empfindung sagen kann, sie als Teil von sich akzeptiert und sie mit Dankbarkeit annimmt. Das Herz meint nicht die Pumpe als Organ, sondern das eigene Zentrum und das innere Licht.

Meine Partnerin und ich diskutierten neulich darüber, was dann passiert, wenn ich diese Empfindung „annehme“. Mir kam das Bild vom Licht: Wir sind Energie, wir haben alle dieses innere Licht (oder wir sind dieses Licht). Helles Licht setzt sich aus allen Farbspektren zusammen. Beim Licht ist es gemäss Farbenlehre so, dass sich das weisse Licht aus allen Farben (von ultraviolett bis infrarot) zusammensetzt. Das heisst: je mehr Farben, desto reiner das Licht.

Ein Schmerz oder eine negative Empfindung kann ich als Knoten im Energiefluss wahrnehmen oder als etwas Dunkles, das das helle Licht trübt. In diesem Knoten ist Energie gefangen, die freigesetzt wird, wenn ich den Knoten auflöse. Oder um bei der Metapher mit dem Licht zu bleiben: wenn ich den dunklen Knoten auflöse, wird das Licht um dessen Farbe ergänzt. Der Knoten verschwindet also nicht einfach, sondern er verwandelt sich. Die negative, blockierende Energie wird freigesetzt und stärkt die Lebensenergie. Das innere Licht strahlt umso heller und reiner.

Mir hat dieses Bild sehr gefallen. Es hilft uns dabei, auch unangenehme Empfindungen als etwas sehr Wertvolles anzunehmen. Und wenn wir wissen, dass auch das Unangenehme (in den Augen der Welt) ein Geschenk ist – was kann uns da noch erschüttern?

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