Manngeburt, 1. Teil

Wir haben es getan! Vom 23. bis 25. März 2018 fand das erste Wochenende der Manngeburt 2018 statt. 13 Männer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich trafen sich im Glarnerland, um sich unter der Leitung von Stefan Wolff und drei Assistenten ins Abenteuer Manngeburt zu stürzen. Wir widmeten uns an diesen ersten Tagen dem Beginn des Prozesses und speziell dem Thema „Wilder Mann“. Und wir begannen, in die Tiefe zu graben, um verdecktes und verschüttetes ans Tageslicht zu befördern.

Den Hintergrund zur Manngeburt habe ich ja im Blog schon (theoretisch) beschrieben. Nun geht es also konkret und sehr körperlich zur Sache. Ich werde hier nicht im Detail beschreiben, was Stefan Wolff mit uns unternimmt und auch nicht über die Männer, die an diesem Seminar und dem Prozess teilnehmen. Dies bleibt im geschützten Raum. Aber ich möchte etwas darüber weitergeben, was in mir vorgeht und wie ich mich bei diesen Übungen fühle. Dies vor allem mit dem Ziel, mehr Männer zu ermutigen, diesen Schritt zu gehen. Denn schon die ersten Schritte waren sehr vielversprechend.

Es war sehr bewegend und freudig, diese bunt gemischte Männerschar zwischen 25 und 65 aus drei Ländern und mit unterschiedlichsten Hintergründen zu erleben. Wie wir ab dem zweiten Tag zu einer verschworenen Gemeinschaft wurden, die den Einzelnen trägt, wenn er Unterstützung braucht. Den Rahmen dafür bilden Rituale, mit denen Stefan zum Beispiel den Raum für das Wochenende öffnet und wieder schliesst. Wir begeben uns in einen Raum, in dem wir uns respektvoll und offen begegnen können. Es wurde kaum darüber gesprochen, was wir sonst so tun, welchen Hintergrund wir beruflich haben. Wir haben darüber gesprochen, weshalb wir die Manngeburt mitmachen, was unsere Ziele sind und wie wir uns fühlen. Wenn wir reden, machen wir das in Form eines Councils, bei dem nur derjenige spricht, der den Sprechstab hat. Niemand redet drein, niemand wertet oder kritisiert. Wir haben in einer Übung gezeichnete Mandalas besprochen. Da wurde aber nicht das Werk kritisiert oder etwas ins Bild hineininterpretiert – wir waren angehalten, zu „spiegeln“. Das bedeutet, dass man sagt, was das Bild (oder auch etwas Gesagtes) in mir selbst bewirkt. Ich sage, was ich fühle, nicht was ich darüber denke. So führt uns Stefan immer wieder weg vom Kopf, weg vom Verstand hin zu den Gefühlen und zum Herz.

Über verschiedene Übungen regen wir die Energie in unserem Körper an und tauchen tief in unser Unterbewusstsein. Das erste Wochenende war – wie gesagt – dem Thema Wilder Mann gewidmet, auf das wir uns mit der Lektüre des Buches Eisenhans von Robert Bly einstimmen konnten. Anhand des Märchens Eisenhans zeigt Bly auf, wie wir die Kraft des wilden Mannes brauchen. Der wilde Mann wird uns ziemlich erfolgreich ausgetrieben – aber ohne diese Kraft können wir nicht wahre Erwachsene werden. Es gilt diese Urkraft zu fühlen, sie zu leben – und sie kontrolliert umzusetzen. Im geschützten Rahmen der Männergemeinschaft können wir das üben. Wir müssen hier niemandem was vormachen und können uns frei in diese Energie hineinbegeben.

Und an unserem ersten Wochenende gingen wir auch dem Thema der Verletzung auf den Grund. In uns allen wirken alte Verletzungen, die uns schon als Baby und als kleiner Junge (oder als kleines Mädchen) zugefügt wurden. Wir haben diese Verletzungen mehr oder weniger erfolgreich verdrängt – und nun dürfen sie entdeckt und gefühlt werden. Das bewegt, und das ist manchmal ziemlich laut… Wir haben viel gebrüllt an diesem Wochenende, am Samstag war ich ziemlich heiser. Es wurde aber auch viel gelacht, umarmt, geweint, getanzt – und gemeinsam gekocht und abgewaschen. Es war eine Freude, diese bislang fremden Männer als Gruppe zu erfahren, die Kraft und Energie aber auch die Feinfühligkeit und Verletzlichkeit jedes einzelnen zu spüren. Es ist natürlich viel zu früh, um schon mehr sagen zu können – aber die ersten Schritt auf dem Weg haben wir gemacht. Und ich kann jetzt schon sagen, dass ich es jedem (wirklich jedem) empfehlen kann, sich bewusst mit seinem Mann-Sein zu befassen.

Mir ist aufgefallen, dass die Schweizer Teilnehmer tendenziell älter sind als die deutschen Kollegen. Wir (also Hannes und ich) haben uns schon öfter überlegt, ob wir Schweizer anders ticken oder ob wir wirklich zurückhaltender sind, was diese Männerthemen betrifft. Oder auch die Achtsamkeit und Spiritualität. Eigentlich müssten junge Männer eine solche Manngeburt (oder eine vergleichbare Auseinandersetzung und Initiation) durchmachen, bevor sie sich langfristig binden. Es wäre wunderbar, wenn wir zuerst „richtige“ Männer sein könnten, bevor wir eine Familie gründen. Es ist zwar nie zu spät, aber ich würde es doch jungen Männern besonders ans Herz legen, sich mit dem eigenen Mann-Sein zu befassen.

Die Manngeburt 2019 ist bereits in Planung. Wenn dir der Schritt noch etwas zu gross erscheint, dann bieten Hannes und ich im Mai (25.-27.5.) ein (einzelnes) Wochenende an, an dem wir uns unseren Rollen als Männer widmen wollen: Männer 2.0. Und im August (24.-26.8.) machen wir uns mit einer Männergruppe auf eine Wanderung, um uns in der Natur zu erfahren: Männer-Hike. Ich bin mir sicher, dass dies auch etwas für dich ist. Über eine Anmeldung freue ich mich. Wir sehen uns!

2 Gedanken zu “Manngeburt, 1. Teil

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