Den Verstand beobachten

Wenn du bereit bist, dein Bewusstsein über den Verstand zu stellen, ist ein wichtiger Schritt getan. Nur fällt es nicht gerade leicht, dies im Alltag auch wirklich umzusetzen. Auch bei der Mediatation tauchen früher oder später Gedanken auf. Ein wirkungsvoller Ansatz ist es, seinen Verstand zu beobachten.Wenn du deinen Verstand beobachtest, bist du nicht mit diesem identifiziert. Du befindest dich auf einer Ebene ausserhalb des Verstandes. Wie man das macht, beschreibt Eckhard Tolle in Jetzt! Die Kraft der Gegenwart:

Sei gegenwärtig als der Beobachter deines Verstandes – sowohl deiner Gedanken und Gefühle als auch deiner Reaktionen in verschiedenen Situationen. Sei mindestens genauso interessiert an deinen Reaktionen wie an der Situation oder der Person, die dich zur Reaktion veranlasst. Bemerke auch, wie oft deine Aufmerksamkeit in der Vergangenheit oder der Zukunft verweilt. Beurteile oder analysiere nicht, was du siehst. Beobachte den Gedanken, fühle das Gefühl, beobachte die Reaktion. Mache kein persönliches Problem aus ihnen. Dann wirst du etwas fühlen, das viel kraftvoller ist als alles, was du beobachtest: die stille, beobachtende Präsenz selbst, jenseits vom Inhalt deines Verstandes; den stillen Beobachter.

Tolle spricht hier auch die Eigenschaft des Verstandes an, sich ständig in der Vergangenheit oder in der Zukunft zu befinden. Mit der Vergangenheit kreiert er deine Identität, macht „Geschichten“ aus dem, was geschehen ist. Du kannst dann dem Moment nicht unbelastet begegnen, weil er eine Vorgeschichte hat. Oder der Verstand deckt dich mit Sorgen oder Hoffnungen über die Zukunft ein. Deine Gedanken kreisen um das, was eventuell geschehen kann und sie verhindern damit, dass du den Augenblick wirklich leben kannst. Du bist eigentlich gar nicht hier. Statt dich wirklich auf dein Gegenüber einzulassen, bist du nur mit halber Aufmersamkeit dabei. Du hörst gar nicht richtig zu. Und du fühlst erst recht nicht, was im andern und in dir vorgeht.

Blick vom Zauberberg, Schatzalp Davos
Blick vom Zauberberg, Schatzalp Davos

Diesen Beitrag habe ich vor einigen Wochen entworfen, aber nicht veröffentlicht (das kommt manchmal vor…). Nun hat mir eine nahestehende Person genau das als ihr Problem geschildert: Sie kann nicht abschalten, kann sich manchmal nicht auf das konzentrieren, was sie gerade macht und sie sieht manchmal vor lauter vorgestellten Problemen in der Zukunft nicht, wie sie eine Aufgabe bewältigen kann. Denn das geschieht, wenn der Verstand die Oberhand hat: Er malt sich ständig aus, was sein könnte. Und er kreiert Probleme, die aktuell gar nicht relevant sind. Ich habe deshalb diesen Beitrag aktualisiert und widme ihn dieser Person und allen anderen, deren Verstand das Kommando übernommen hat – und das sind wohl die meisten 😉

Falls du befürchtest, dass du ohne den ständig arbeitenden Verstand deinen Alltag – vor allem im Beruf – nicht mehr bewältigen kannst, kann ich dich beruhigen. Der Verstand im Leerlauf ist nicht produktiv. Du kommst sehr gut ohne ihn aus. Wenn du ihn deinem Bewusstsein unterordnen kannst, wird er dann genutzt, wenn er gebraucht wird. Und dann ist er viel effektiver als zuvor. Und ausgeruhter. Gehe also staunend wie ein Kind durch die Welt, nimm auf ohne zu werten, lebe im Augenblick. Beobachte, was in dir vorgeht und du erkennst, wie der Verstand funktioniert. Und du wirst viel lebendiger.

Ein Gedanke zu “Den Verstand beobachten

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