Yoga (auch) für Männer

Noch ganz frisch sind die Eindrücke vom zweiten Yoga-Wochenende, das ich auf der Rigi verbringen durfte. Meine Partnerin hat es durchgeführt, und es war wieder sehr schön, sehr erholsam und friedlich. Und wir waren immerhin 25% Männer (also 3 von 12 Teilnehmenden). Wir haben uns mehrfach gefragt, weshalb Männer nach wie vor in der Minderheit sind, wenn es um Yoga und Meditation geht. Jedenfalls bei uns. Leserinnen und Leser meines Blogs wissen, dass genau dieser Umstand dazu geführt hat, dass ich vor zwei Jahren diesen Blog über Achtsamkeit und Bewusstsein für Männer begonnen habe.

Zunächst einmal meine Botschaft an die Männerwelt: Es tut uns und der Welt unglaublich gut, wenn wir achtsam und bewusst leben. Wenn wir uns nicht immer nur im aussen und an der Leistung orientieren, sondern in uns gehen und uns mit unseren Gefühlen und unserer Seele befassen. Brauchen wir wirklich einen Zusammenbruch, ein Burnout oder einen Herzinfarkt, um uns auf diesen Weg zu zwingen?

Der jüngste von uns drei Männern an diesem Yoga-Wochenende meinte, dass ihn zwar keiner seiner Kollegen auslachen würde, aber auch keiner sage, sie fänden es cool, dass er Yoga praktiziere und ihn begleiten würden. Und ich habe neulich doch etwas gestaunt, als ich erfuhr, dass ein ehemaliger Arbeitskollege mittlerweile auch Yoga macht. Und ich bin auf einer kurzen Recherche zum Thema auf Berichte gestossen, wonach die deutsche Fussballmann Nationalmannschaft seit einiger Zeit auch Yoga in ihr Training integriert – unter dem Motto: Jogi setzt auf Yoga (für meine Schweizer Kolleginnen: Jogi Löw ist der deutsche Nationaltrainer). Bei meinen weiblichen Kolleginnen ist Yoga schon fast alltäglich. Dabei spielen sowohl die körperliche wie auch die geistige Komponente eine wichtige Rolle. Für die meisten gehört zur Yogapraxis auch die Meditation dazu.

Blick von Rigi First auf den Vierwaldstättersee

Ich bin ja ein Yoga-Anfänger. Vor einem Jahr habe ich zum ersten Mal an einem Yoga-Wochenende teilgenommen. Später hat mir meine Partnerin eine Yogapraxis zusammengestellt, mit der ich öfters den Tag beginne. Es gibt mir das Gefühl, dass ich mir etwas Gutes tue. Ein Element ist die Beweglichkeit, die ich dabei übe. Wobei mir da in der Gruppe am Wochenende mit vielen neuen Übungen gezeigt wurde, dass noch einiges vor mir liegt. Als Mann, der in seiner Kindheit und Jugend Fussball gespielt und später längere Strecken gelaufen ist, bin ich etwas hüftsteif. Ich vermute, dass es noch vielen Männern so geht – und dass wir es im Alter bereuen, nicht früher etwas für unsere Beweglichkeit getan zu haben. Dann haben wir uns am Wochenende mit dem Thema Gleichgewicht befasst. Wie sieht das bei dir aus? Standwaage? Zehenstand? Wenn ich 75jährige Yoga-Praktizierende sehe, die sich noch geschmeidig bewegen, würde ich jedem raten, möglichst bald mit Yoga zu beginnen.

Das nächste Element ist der Atem. So wie ich Yoga erfahre (meine Partnerin lehrt die sanfte Methode Viniyoga), geht es ganz zentral um den Atem. Jede Bewegung ist mit dem Atemfluss verbunden. Und genau dies wirkt dann in den Alltag. Beim Yoga lernt man bewusst zu atmen und den Atem mit den Bewegungen zu verbinden – oder umgekehrt. Und das bewusste Atmen ist wiederum der Kern von Meditation. Der Atem ist die Verbindung zwischen unserem Innen und dem Aussen. Bewusstes Atmen führt dich zu dir selbst. Es ist der Schlüssel für dein Wohlbefinden. Wenn du bewusst atmest, bist du völlig präsent. Nichts kann dich so gründlich entschleunigen und beruhigen wie bewusstes Atmen. Und mit Yoga übst du dies.

Natürlich kannst du weiterhin Sport treiben, deine Ausdauer und Fitness trainieren. Das tut dem Körper auch gut. Aber beim Yoga und Meditieren lernst du, nicht vor Problemen (z.B. Stress) wegzulaufen, sondern ihnen aktiv zu begegnen. In der Meditation kannst du den Dingen auf den Grund gehen. Und jetzt das Beste für dich: das funktioniert auch in der Arbeitswelt! Und in der Partnerschaft! Du wirst ein besserer Mitarbeiter, ein besserer Chef und ein besserer Partner, wenn du bewusst und achtsam bist. Du wirst ruhiger, sicherer, glücklicher. Du gibst nicht anderen die Schuld und suchst den Fehler bei ihnen, sondern gehst zunächst in dich und siehst deinen Anteil an den Dingen. Du musst nicht gefallen, brauchst keine Anerkennung (nimmst sie aber gerne an, wenn sie kommt), musst nichts kompensieren. Aber Achtung: du wirst dir gewisse Dinge nicht mehr gefallen lassen. Du wirst nicht mehr Dinge tun, zu denen du gar nicht stehen kannst.

Als wir unsere Yoga-Matten zusammenrollten am Ende des Wochenendes, sagte eine Teilnehmerin: „Wenn dies alle auf der Welt machten, gäbe es Frieden.“ Sie meinte die Yoga-Praxis, das achtsame Beisammensein – und den Aufenthalt in der Natur. Das wäre dann noch ein weiteres Element: die Verbundenheit mit der Natur. Dazu schreibe ich später wieder einmal.

Also, liebe Männer: wie wäre es mit einem Beitrag zum Frieden? Mit einem Beitrag zu deinem Wohlbefinden? Es gibt viele Möglichkeiten Yoga zu lernen und zu praktizieren. Oder müsste es ein Yoga-Kurs für Männer sein? Meine Kollegen und ich fühlen uns in einer gemischten Gruppe durchaus wohl (sonst wären wir auch nicht hier…). Aber wenn das für dich wichtig ist, melde dich doch bei mir. Da lässt sich bestimmt etwas organisieren: Ich kenne da eine Yoga-Lehrerin, die gerne bereit ist, auch eine Männergruppe zu betreuen.

 

5 Gedanken zu “Yoga (auch) für Männer

  1. Lieber Ruedi wunderbar deine Begeisterung für das viniyoga und wie du deine Erfahrungen damit beschreibst. Mögen viele Männer sich davon anstecken lassen. Herzliche Grüße Brigitte

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  2. Danke lieber Ruedi, du hast mit deinen Worten und Bildern mein Herz und meine Seele berührt, mögen deine Botschaften auch Männerherzen ansprechen…es gibt nichts, was nicht leichter wird durch vertraut werden. Shantideva
    Namasté Trudi

    Gefällt 2 Personen

  3. Hey, als Österreicher und NichtFußballFan konnte ich mit ‚Jogi‘ auch nichts anfangen. Ich denke auch, das Yoga mir sehe hilfreich ist und mich regelmäßig mit meiner Unbeweglichkeit konfrontiert, hehe. Seit unser Hörnchen da ist, kommen Yoga und Meditation sehr kurz, da ich aber viel mehr am Boden sitze, öffnet sich langsam meine Hüfte und meine Knie kommen bald zum Boden. Wie sich mein Ego freut, bald meinem Vorbild im Lotus nacheifern zu können.
    MfG toe

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