Hass mit Liebe begegnen

Viele meiner Netzfreunde äussern sich dieser Tage in den sozialen Medien. Sie kommentieren Beiträge, verschicken Links. Mich freuen die Postings und Meldungen, in denen Toleranz gegenüber den Mitmenschen, Herzensgüte für die Bedürftingen und Mitgefühl für die Schwachen zum Ausdruck kommen. Aus den Geschichten über spontane Hilfsaktionen, über den persönlichen Einsatz von Einzelpersonen oder aufopfernde humanitäre Hilfe spricht so viel Liebe und Menschlickeit. All diesen Menschen und Organisationen gilt mein herzlichster Dank. Sie leben vor, dass man dem Hass mit Liebe begegnen kann. Ich verneige mich vor euch! Ihr macht die Welt zu einem besseren Ort!

Andere Freunde schreiben voller Wut und Aggression gegen diejenigen, die gegen die Aufnahme von Flüchtlingen protestieren (sehr verkürzt gesagt). Ich kann das zwar verstehen, aber der richtige Weg scheint es mir nicht. Aus einem höheren Bewusstsein ist klar, dass auch diese Menschen nicht einfach böse und hassenswert sind. Diese Menschen sind vermutlich von Angst getrieben, die aus ihrer persönlichen Sicht nachvollziehbar ist. Es ist eine anspruchsvolle Übung, einem solchen Menschen mit Liebe zu begegnen. Ich habe es vor Jahren erlebt, wie das geht.

In den 80er Jahren gab es eine Flüchtlingswelle aus Sri Lanka. Die Tamilen waren damals die gut erkennbaren Fremden, die vielen Menschen Angst machten. Es gab dieselben Gerüchte wie heute: im Militärdienst war einer, der die Geschichte erzählte, die Asylanten kriegten alle Lederjacken, ein Auto und ein fettes Taschengeld und würden dafür nichts tun. Tatsächlich galt die Lederjacke als Statussymbol, auf das sich die Asylbewerber in den Second-Hand-Geschäften der Caritas stürzten, wenn es welche gab. Und am Bahnhof hingen die dunkelhäutigen Menschen untätig herum, weil sie nicht arbeiten durften und tagsüber die Asylunterkunft mit einem Taschengeld von 5 Franken (auch damals nicht gerade üppig) verlassen mussten. Das war also etwa der Nährboden, auf dem Neid, Missgunst und Hass gediehen. Als wir eine Einführung in den Wachtdienst mit scharfer Munition erhielten, sagte einer, wenn da ein Tamile auftauchen würde, dann würde er schiessen. Ich war schockiert und sprachlos. Für mich war klar, mit diesem Kerl, mit einem solchen Rassisten, wollte ich nichts mehr zu tun haben. Dann trat Franz, ein etwas älterer, sehr besonnener Kollege, auf diesen Soldaten zu und fragte ihn ganz ruhig und mit einem Interesse für diesen Menschen, das von Herzen kam, ob ihm denn ein Tamile etwas getan hätte. Er ging mit diesem Rassisten ein Bier trinken und erfuhr, dass er kürzlich von seiner Frau verlassen wurde, den Job verloren hatte und vieles mehr. Er hörte ihm zu und zeigte Verständnis. Der andere fühlte sich ernst genommen, endlich hörte ihm jemand zu. Ich kann jetzt nicht sagen, dass er dann geläutert wäre, schliesslich ist das kein Märchen… Aber für mich war das eine bewundernswerte Lektion in mitfühlender Liebe.

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Die Frage, wann man dem Hass mit Gewalt entgegentreten muss, ist keine neue. Ich meine, dass wir – wie Franz oben beschrieben – zuerst den Menschen im Gegenüber erkennen und ihn liebevoll respektieren sollten. Wenn wir diesem angsterfüllten, frustrierten Menschen mit offenem Herzen zuhören können, wird er sich verändern. Wenn wir ihm unseren Hass und unsere Wut entgegenbrüllen, wird das seinen Hass und seine Wut noch verstärken. Wenn wir Gewalt androhen oder anwenden, werden wir seine Bereitschaft dazu fördern. Lassen wir nicht Angst oder Hass unser Leben bestimmen.

Ich versuche ruhig zu bleiben, Mitgefühl für alle zu fühlen und meine Ansichten klar und liebevoll zu vermitteln und diese Prinzipien auch vorzuleben. Ich bin zuversichtlich, dass dies der richtige Weg ist! Peace, Love and Happiness!

Ein Gedanke zu “Hass mit Liebe begegnen

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