Der Stern in dir

Nach einigen Jahren war ich diese Woche wieder einmal im Planetarium in Luzern und konnte eine Vorführung von Stella Nova geniessen. Das war sehr eindrücklich und hat mich zu ein paar Gedanken inspiriert. Was ich dazu schreibe, ist also meine Interpretation und Inspiration auf der Grundlage einer populärwissenschaftlichen Darstellung der Entstehung des Universums, der Sterne, unserer Erde.

Es gibt mehrere Aspekte, die mich beeindruckt und nachdenklich gemacht haben: am Anfang war alles eins; Sterne werden geboren und sterben; das Universum war zu Beginn einheitlich und einförmig und entwickelt sich zu einer riesigen Vielfalt; alle Elemente, aus denen wir bestehen, sind ursprünglich in Sternen entstanden. Wir bestehen also aus Sternenstaub.

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Als Bild verwende ich dieses Mal kein eigenes Foto, sondern ein gemeinfreies Bild vom Hubble-Teleskop: Eine Quelle von Sternenstaub – Die Nova im Jahre 2002 des 20.000 Lichtjahre entfernten Riesensterns V838 Monoceros im Sternbild Einhorn (Quelle: Wikipedia). 

Ist das nicht eine wundervolle Vorstellung? Die Moleküle, aus denen wir bestehen oder die Elemente, welche diese Moleküle bilden, sind von Sternen ausgebrütet worden. Wir bestehen in unserem Kern also aus Sternenstaub. Wenn ich das richtig wiedergebe: nach dem Urknall war das Universum einförmig. Es gab nur Wasserstoff und Helium, die einfachsten Elemente. Diese bildeten den Kern der ersten Generation von Sternen. Und erst in diesen jungen Sternen entstanden durch Verschmelzung und Verdichtung (oder ähnlich…) neue Elemente. Am Ende ihres Lebens explodieren diese Sterne und schleudern ihren Inhalt ins All. Dort bilden sich in den Staubwolken wieder neue Galaxien und Sterne. Dann beginnt der Kreislauf von neuem, und komplexere Elemente werden in diesen Sternen der zweiten Generation gebildet, zum Beispiel Kohlenstoff, später auch Gold oder Silber.

Unsere Sonne ist ein solcher Stern (ich weiss nicht welcher Generation). Sie ist aus einer Verklumpung der Materie in unserer Galaxie entstanden – neben Milliarden anderer Sterne. Wenn ich diese Zahlen jeweils höre – es gibt Milliarden von Galaxien mit jeweils Milliarden von Sternen – wird mir einfach bewusst, wie verschwindend klein wir sind und wie unendlich gross das Universum ist. Aber wie gross, da ist mein Verstand komplett überfordert. Also, um unsere Sonne bildeten sich noch weitere Klumpen, die klein genug waren, dass sie selbst nicht zu leuchten und strahlen begonnen haben, sondern sich abkühlten. Die Planeten nahe der Sonne haben schwerere Elemente aufgefangen, weiter weg von der Anziehungskraft der Sonne entstanden Gasplaneten. Und jetzt stelle ich mir diesen „Zufall“ vor, dass sich im richtigen Abstand vom wärmenden Stern ein Planet gebildet hat, der dann auch noch grosse Mengen von Wasser enthielt. Wenn ich das richtig verstanden habe, weiss man nicht wirklich, woher das Wasser kommt (vgl. Beitrag in Wikipedia). Dass alles von aussen über Kometen gekommen ist, kann ich mir nicht vorstellen. Aber so oder so haben sich auf diesem Planeten zuerst solche nützlichen Elemente wie Sauerstoff und dann in der Verbindung mit Wasserstoff unsere Lebensgrundlage, das Wasser gebildet. Es sind auf unserer Erde also neue Verbindungen auf der Grundlage der von den Sternen gebildeten Elemente entstanden.

Und dann geschieht das noch weniger erklärbare Wunder, dass sich die Moleküle zu immer komplexeren Gebilden verbinden, die dann zu „leben“ beginnen. Wobei eigentlich: lebt ein Stern und ein Planet nicht auch? Vielleicht sollten wir das „Leben“ von Lebewesen nicht vom „Leben“ von Planeten, Gestein und Gestirnen unterscheiden. Auch sie verändern sich, auch sie werden geboren und sterben – um gleich wieder die Grundlage für eine neue Lebensform zu bilden. Und das ist etwas anderes, was mir bei der Vorführung aufgefallen ist: wie sich aus dem Einen diese Vielfalt entwickeln konnte. Dass diese spielerische Entwicklung, die alle möglichen Formen hervorbringt, in allem ist. Du als Mensch, du als Individuum bist ebenfalls Ausdruck dieser spielerischen Schöpfung, die immer neue Formen ausprobiert, die dann wieder vergehen, um neuen Formen Platz zu machen oder um die Grundlage für eine neue Form zu bilden. Und wenn ich gesagt habe, wir bestünden aus Sternenstaub: direkt bestehen wir aus dem, was unsere Erde hervorgebracht hat (, die wiederum aus Sternenmaterial entstanden ist). Wir sind Teil dieser Erde und sie ist Teil von uns.

Wo führt das hin? Keine Ahnung, doch freuen wir uns doch an dieser Vielfalt und tragen unseren Teil dazu bei! Freuen wir uns, dass wir als (mehr oder weniger) bewusste Wesen auf diesem Planeten leben dürfen. Und da sich das Ganze offensichtlich immer weiter entwickelt, dürfte auch dies unsere persönliche Bestimmung sein. So leisten wir einen Beitrag zum Grossen Ganzen – auch wenn wir verschwindend klein sind. Und denk dran, wir bestehen aus Sternenstaub! Und doch ist da mehr: unser Bewusstsein. Das ist das Paradoxe unserer Existenz: wir sind zum einen so klein und unbedeutend und zum anderen sind wir einzigartige und wunderbare Wesen, die sich all dessen bewusst werden können.

 

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