Veränderungsbereitschaft

In mehreren Gesprächen im Umfeld von Bibliotheken ist in letzter Zeit immer wieder das Thema der Veränderungsbereitschaft angesprochen worden. Für Bibliotheken und die Menschen, die in Bibliotheken arbeiten (und natürlich in vielen anderen Berufen) stellt sich die Herausforderung, dass sie sich auf ständige Veränderungen im Umfeld einstellen müssen, die eine direkte Auswirkung auf ihre Tätigkeit haben. Viele haben einen Beruf in diesem angeblich stabilen und ruhigen Umfeld gewählt und müssen nun feststellen, dass es mit der Ruhe vorbei ist. In der Trendanalyse Horizon Report Library Edition wurde diese Herausforderung mit „bereitwillige Annahme radikaler Veränderungen“ bezeichnet. Wie können wir dies erreichen?

Es liegt auf der Hand, dass Veränderungen Ängste auslösen. Viele Menschen wehren sich gegen Veränderungen, weil ihnen das Neue, Unbekannte Furcht einflösst. Oder man leistet Widerstand gegen absehbare Veränderungen in der eigenen Tätigkeit. Man hat angst, den Job ganz zu verlieren oder davor, dass er sich in eine komplett neue Richtung verändert. Andere Menschen können solche Veränderungen aber begrüssen. Sie freuen sich auf neue Aufgaben und neue Herausforderungen. Können wir in einem Unternehmen oder einer Organisation diese Haltung fördern? Was können wir selbst dafür tun?

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Angst vor Veränderung ist ein Produkt des kleinen Selbst. Es definiert sich über Äusserlichkeiten und formale Dinge, wie zum Beispiel einen Titel oder die Höhe des Einkommens. Das kleine Selbst hadert oft mit der Vergangenheit, trauert verpassten Chancen nach oder beklagt sich über Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist. Und das kleine Selbst beschäftigt sich gerne mit der Zukunft. Es malt sich aus, was wäre, wenn. Was könnte geschehen, was könnte Schlimmes passieren? Diese Zukunft ist (natürlich) unsicher und gibt Anlass zur Sorge. Auch wenn das kleine Selbst mit der Gegenwart kaum zufrieden ist, möchte es verhindern, dass sich etwas ändert. Es könnte ja alles noch viel schlimmer kommen.

Die Lösung besteht darin, dass wir nicht den Gedanken folgen, die uns alles mögliche ausmalen, sondern dass wir einfach im Augenblick sind. Wir können das üben, indem wir ganz bei uns sind und uns ganz auf das Jetzt konzentrieren. Das heisst, dass wir uns auf den Atem konzentrieren, dass wir meditieren. Die Meditation im stillen Kämmerlein ist eine gute Übung – aber es ist wichtig, dass wir diese Haltung auch in unseren Alltag übernehmen können. Wenn wir im Jetzt verankert sind, wenn wir wirklich präsent sind, dann ist dieser Augenblick unser Freund. Es ist gut, so wie es ist. Und auch so, wie es dann morgen sein wird, wird morgen wieder gut sein. Wenn wir in dieser Haltung an eine Veränderung herangehen, dann begrüssen wir die neue Erfahrung. Es ist schliesslich der Sinn und Zweck unseres Hierseins, dass wir Erfahrungen sammeln. Wir lernen neue Menschen kennen, neue Methoden, neue Abläufe. Und wenn wir uns nicht dagegen wehren, wird es eine gute Erfahrung.

Wir können das auch ganz konkret üben, indem wir Routinen immer wieder aufbrechen. Indem wir immer wieder etwas anders tun, als wie wir es gewohnt sind. Wir können uns bewusst sagen, heute will ich etwas Neues machen oder etwas auf neue Art tun. Der Augenblick gewinnt dadurch an Intensität und Qualität. Wir tun das, was wir tun, bewusster. Das können banale Dinge sein, wie einen anderen Arbeitsweg zu gehen. Etwas zu essen, was wir noch nie gegessen haben und von dem wir dachten, wir mögen es nicht. Indem wir Leute unterwegs grüssen und anlächeln oder mit der alten Frau im Bus ein Gespräch beginnen. Wenn wir in unserem Alltag diese Veränderung bewusst herbeiführen, werden wir auch locker mit solchen Veränderungen umgehen, die äussere Umstände von uns verlangen. Bereitwillige Annahme von Veränderungen – da steckt die Lösung eigentlich schon drin: sei offen für Neues, akzeptiere Veränderungen als spannende neue Herausforderungen und als Bereicherung für dein Leben – und schon machen sie dir Freude!

Das ist also deine persönliche Ebene. Was mache ich aber als Verantwortlicher für eine Organisation oder für Mitarbeitende, die sich schwer tun mit Veränderungen? Es ist immer ein guter Weg, wenn du mit gutem Beispiel vorangehst. Wenn du ehrlich vom Nutzen der Veränderung überzeugt bist, darfst du deine Überzeugung und Begeisterung mit den anderen teilen. Nimm aber auch ihre Bedenken ernst. Frage nach, wovor sie Angst haben, was genau sie befürchten. Und sei ehrlich. Wenn du dich hinter Management-Floskeln versteckst, wird man das durchschauen. Wenn Jobs gefährdet sind, musst du das ehrlich kommunizieren. Und dann hol die Mitarbeitenden ins Boot. Arbeite mit ihnen zusammen an der Lösung, lass sie Vorschläge machen, wie sie es tun würden. Wenn du mit deiner Einschätzung richtig liegst, und diese Veränderung nötig ist und dein Vorschlag eine sinnvolle Lösung ist, dann wirst du die Mitarbeiter auch überzeugen können.

 

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