Demut

Demut – ein ziemlich altmodisches Wort, das nicht so recht in unsere Welt zu passen scheint. Und doch ist die Haltung der Demut gerade auch heute für uns wichtig. Sie bedeutet nämlich, dass wir unser Ego klein machen, unsere Person nicht wichtig nehmen und dadurch Zugang finden zu unserem höheren Selbst.

Demut bedeutet für mich, sich als Person (also das Ego) nicht allzu ernst zu nehmen und den höheren (also den göttlichen) Willen zu akzeptieren. „Dein Wille geschehe“, ist für mich der Ausdruck dieser Demut. Ich weiss, dass ich nichts weiss und akzeptiere das. Und ich nehme alles an, was (mir) geschieht. Ich habe dies neulich zum Thema Geschenke angesprochen. Diese Dankbarkeit ist ebenfalls Ausdruck von Demut.

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Wenn mir etwas Unangenehmes (aus Sicht des wertenden Egos) widerfährt, wird zunächst der Widerstand des Egos aktiviert. Es ist gekränkt, verletzt, wütend, verärgert oder traurig – und will das Geschehene nicht wahrhaben. Es schreit, das sei ungerecht. „Warum passiert das gerade mir?“ Und es sucht schnell die Schuld bei den anderen. Das gefällt dem Ego, und es kann sich so richtig aufblasen. Ja, ich sehe gerade den sich vor Empörung rötenden Kopf dieses amerikanischen Präsidentschaftskandidaten vor mir. Da kann man das reine Ego in Aktion beobachten. Dieser Mensch spricht angeblich nur von sich, sieht nur den eigenen Vorteil und die Schuld grundsätzlich bei den anderen, und dann definiert er sich über seinen angeblichen Reichtum und seine Macht. So könnte man das Wesen des Egos veranschaulichen… Falls er gewählt werden sollte, dürfen wir eine weitere Lektion des Egos in voller Macht erleben. Lustig würde das nicht, aber sehr erhellend. Denn diese aufgeblasenen Egos sollen uns vor Augen führen, wo die Unbewusstheit hinführt und uns zeigen, welchen Weg wir nicht gehen sollten. Das Ego ist dazu bestimmt, sich selbst ad absurdum zu führen. Der Ausweg und die Lösung heisst Bewusstheit. Und ein Weg dahin heisst Demut.

Du musst – so meine ich – nicht gegen diese Egos kämpfen. Von negativer Energie zehren und leben sie. Alles was du zu tun hast, besteht darin, dieses Ego im andern und dann auch in dir zu erkennen und herzhaft über diesen Wahnsinn zu lachen. Wir sollen unser eigenes Ego nicht ernst nehmen. Das tun wir, indem wir demütig den höheren Willen anerkennen und eingestehen, dass unser Verstand die höhere (eigentlich die eine) Wahrheit nicht erkennen kann. Wenn wir sagen, Dein (göttlicher) Wille geschehe, dann sind wir in dieser demütigen Haltung.

Dann kann uns kein Misserfolg, kein Unglück, ja nicht einmal die Wahl eines Super-Egos zum Präsidenten, etwas anhaben.

Es ist eine ziemlich wirkungsvolle Übung, wenn du es zulässt, dass dein Ego erniedrigt (klein gemacht) wird. Das Leben bietet dir dafür regelmässig Gelegenheiten. Versuche beim nächsten Mal, wenn deine Person nicht respektiert wird, wenn du beleidigt wirst oder wenn dich jemand verärgert (aus Sicht des Ego), keinen Widerstand zu leisten. Gehe in den Beobachtermodus und fühle, was das mit dir macht. Welche alten Wunden werden aufgerissen? Welcher Stachel sitzt da noch fest? Und dann nutze das Geschenk, um diese Wunden zu erkennen und liebevoll anzunehmen. Wenn du dies schaffst, wirst du demütig über das Wunder staunen: du wächst nämlich, dein wahres Selbst kommt reiner zum Ausdruck.

In den Worten von Eckhart Tolle: „Wenn du dich damit zufrieden gibst, niemand Besonderer zu sein, dich also nicht hervortust, richtest du dich auf die Kraft des Universums aus. Was dem Ego wie Schwäche vorkommt, ist in Wirklichkeit die einzig wahre Stärke.“(Tolle, Eine neue Erde, S.227)

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