Bessere Menschen werden

Im Magazin 10vor10 des Schweizer Fernsehens berichtete der USA-Korrespondent Arthur Honegger über die neue Spiritualität in Kalifornien. Er war fasziniert über den Kontrast zwischen Hightech/Innovation und der Spiritualität 2.0 und meinte zum Schluss, dass die Leute hier schlicht und einfach versuchten, bessere Menschen zu werden (Zukunftslabor Kalifornien: Spiritualität 2.0).

Was heisst das, ein besserer Mensch zu werden? Ist das unser Ziel? Irgendwie ja und irgendwie nein. Zunächst scheint mir wichtig, dass dieses Besser sich nicht auf den Vergleich mit anderen Menschen bezieht. Es geht also sicher nicht darum, besser als andere Menschen zu werden. Wer in diese Falle tappt und meint, er sei besser, der ist auf dem Holzweg. Ein Überlegenheitsgefühl ist das Produkt des Egos. Es bewertet und grenzt sich ab.

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Muotathal, Tor – Blick in Richtung Urner Alpen

Besser werden kann sich auf uns selbst beziehen, und da macht das deutlich mehr Sinn. Da stellt sich mir aber die Frage, ob wir uns damit nicht vom Jetzt wegbewegen und unsere Hoffnungen auf die Zukunft verlegen. „Werden“ meint einen Prozess, der Zeit benötigt. Und bin ich denn nicht gut, nicht vollständig? Muss ich mich weiterentwickeln? Hier steckt ein gewisser Widerspruch. Weshalb sollte ich als wundervolles, vollständiges Wesen mich weiterentwickeln müssen? Zeit ist doch eine Illusion?

Ja und nein. In unserem Kern dürfen wir uns als vollkommene Wesen erkennen. Nur ist dieses Wesen vermutlich von verschiedenen Dingen überlagert und verdeckt. Wir haben uns eine „weltliche“ Identität zugelegt und diesen Kern vergessen. Es ist nun unsere Aufgabe und der tiefere Sinn unseres Lebens, diesen Kern bewusst zu erfahren. Insofern braucht dieser Prozess Zeit, unsere Lebenszeit.

Wenn wir bessere Menschen werden wollen, sind Meditation und Achtsamkeit wichtige Methoden. Wir gehen in uns, und nehmen bewusst wahr. Wir fühlen das Leben in uns – und erkennen, dass dies bei allen anderen auch so ist. Und dass alles um uns von diesem Leben erfüllt ist. Auf dieser Grundlage gedeiht das Mitgefühl, das uns zu „besseren Menschen“ macht. Ein besserer Mensch zu werden (oder zu sein), heisst für mich, dass ich achtsam bin, bewusst wahrnehme, was um mich und in mir geschieht und dass ich mich als eins mit allem fühle. Äusseres und Materielles wird dadurch automatisch weniger wichtig. Ich muss nicht durch Abgrenzung von anderen eine falsche Identität entwickeln und aufrecht erhalten.

Der eingangs erwähnte Beitrag hat etwas sehr Ermutigendes: Ich staune immer wieder, wie viele Menschen sich mit diesen Themen befassen. Auch wenn es momentan etwas ein „Hype“ zu sein scheint, bringt die Berichterstattung in den Medien etwas. Viele Menschen erkennen, dass da mehr sein muss als das Drehen im Hamsterrad und das Streben nach Erfolg im Äusseren. Meine Partnerin hat mir heute erzählt, dass ihre neue Lernende im Betrieb, ein 16jähriges Mädchen, sich für Meditation und Yoga interessiere. Sie versuche es für sich selbst mit Anleitungen vermutlich aus dem Internet. Ist das nicht wunderbar? Ich weiss nicht, woher das Interesse des Mädchens für dieses Thema kommt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Berichte in Medien zum Beispiel über prominente Künstler hier eine Rolle spielen. Deshalb sollten wir darüber sprechen und unsere Mitmenschen ermutigen, sich mit diesen Themen zu befassen. Letztlich ist das auch der Grund, weshalb ich dieses Blog betreibe: Liebe Männer, nehmt euch ein Beispiel an diesem 16jährigen Mädchen! Es ist Zeit!

 

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