Die drei Ebenen Geist-Herz-Körper

Die Erkenntnis der drei Ebenen kam mir erst nach der Rückkehr von der Visionssuche. Ich frage mich, ob sich diese meine persönliche Erkenntnis auch verallgemeinern lässt. Was ich hiermit versuche… Ich nehme wahr, dass die Verbindung dieser drei Ebenen essenziell ist. Geist ohne Herz ist kalt, streng und lieblos. Herz ohne Geist wirkt auf mich etwas naiv und auch einfach und unbewusst. Geist ohne Körper ist leblos, vergeistigt, abgehoben – ein Asket, der seinem Körper entsagt hat und gleichzeitig auch dem Leben. Herz ohne Körper ist wirkungslos, energielos. Körper ohne Geist ist für mich tierisch, unbewusst, von Instinkt getrieben. Und Körper ohne Herz – na ja, das ist dann eben herzlos: kühl, lieblos wie eine Maschine.

Die drei Ebenen, die ich beschreibe und wie ich sie fühle, finden sich in den Chakras wieder. Der Geist entspricht dem Kronenchakra, das Herz dem Herzchakra und der Körper dem Wurzelchakra. In meinen Meditationen lasse ich oft die Energie aus dem Boden (über meine Wurzeln) in und durch den Körper fliesen und hinaus über das Kronenchakra in die geistige Welt, den Himmel – und umgekehrt von oben durch den Körper in die Erde.

Ich versuche nochmal zu beschreiben, was die drei Ebenen in meiner Wahrnehmung bedeuten: Der Geist meint das Bewusstsein, das „Ich Bin“. Er hat das Ego und den Verstand überwunden und ist mit einem höheren Bewusstsein und höheren Dimensionen verbunden. Ich verbinde ihn auch mit Licht. Er drückt sich aus in Achtsamkeit, in Ruhe, Stille und der Möglichkeit tiefster Konzentration.

Das Herz meint die Gefühle, die Verbundenheit mit allen und mit allem. Es verbindet den Geist (oben) mit der Erde (unten) und bildet das Zentrum unseres Wesens. Wenn ich im Herz bin, brauche ich nichts weiter. Ich ruhe in mir, in Liebe verbunden mit dem, was ist und mit dem Leben. In Beziehungen bin ich nicht (mehr) bedürftig, sondern wir nähren uns gegenseitig. Was wir tun, tun wir aus Leidenschaft und Freude.

Der Körper meint unser irdisches und vergängliches Wesen, das voller Leben ist – und gleichzeitig endlich. Wir sind das in unserer irdischen Erscheinungsform, die sich in diesem Leben verwirklichen will und auch wieder vergehen wird. Nur über unseren Körper wird der Geist wirksam, kann sich das Herz entfalten. Unser Bewusstsein „verkörpert“ sich in unserem Da-Sein. Ohne Körper könnten wir auf diese Welt keinen Einfluss nehmen.

Es ist eben auch wichtig, dass wir „wirklich“ in unserem Körper sind. Dass wir unser Leben „richtig“ leben. Das hat sich mir in der Manngeburt gezeigt. Es ist schön und gut, wenn wir in einem vergeistigten Zustand und eins mit dem Universum sind. Aber das allein ist nicht der Sinn und Zweck unseres Hier-Seins. Zu diesem Zustand kehren wir nach unserem irdischen Leben zurück. Wir sind Menschen, hier und jetzt auf dieser Welt. Ich bin ein Mann. Und ich lebe mein Leben, mein Leben lebt mich. Es hat seinen tieferen Sinn, dass es genauso ist, wie es ist.

Wie kann man diese drei Ebenen gleichwertig entwickeln? Ich empfinde es so, dass es am besten ist, wenn wir uns auf allen Ebenen Schritt für Schritt weiterentwickeln. Wo wir beginnen, scheint mir von Mensch zu Mensch verschieden. Das Leben gibt uns jeweils Anstösse und Gelegenheiten um uns zu entfalten. Ich habe lange nichts davon bewusst wahrgenommen. Und doch hat es gearbeitet. Und am Tag X passierte es.

Ein grosses Hindernis, das es zu überwinden gilt, ist unser Ego, unsere verstandesgeprägte Vorstellung einer Identität. Das Ego verteidigt sich mit allen Mitteln gegen seine Entlarvung. Es bläht unsere äussere Persönlichkeit auf und lebt in grosser Angst, dass diese künstliche Hülle enttarnt werden könnte. Es wäre der Untergang. Wir müssen das Ego ent-täuschen und unser Bewusstsein zum Chef über unseren Verstand machen. Der eine Weg dazu ist es, sich für diesen Gedanken zu öffnen und den Weg nach innen zu suchen. Dies geschieht in der Meditation und durch achtsames, bewusstes Sein. Dafür gibt es viele Übungen, und dazu braucht es Geduld. Manchmal geschieht es auch einfach so, so wie ich es erlebt habe. Dann besteht unsere Leistung darin zu erkennen, welches Geschenk uns gerade zuteil geworden ist. Dann gilt es diese Chance zu packen und nicht mehr locker zu lassen.

Die Öffnung des Herzens war für mich eine Folge des ersten Schrittes. Bedingung dafür war das Loslassen. Man muss die Angst überwinden, die unser Ego prägt: die Angst vor dem Verlassensein, vor dem Alleinsein, die letztlich die Angst vor dem Tod bedeutet. Das ängstliche Ego klammert sich an das Vertraute. Es ist unselbständig und abhängig von der Gunst der anderen. Es verbiegt sich, es manipuliert und ist dadurch nicht authentisch, weil es meint, sonst würde es nicht mehr geliebt. Wobei das Grundgefühl eigentlich darin besteht, nicht geliebt zu werden. Das haben wir früh als Kleinkinder gelernt. In der Manngeburt war bei einigen Männern das zentrale Thema diese mangelnde Selbstliebe. Wir kommen an die Wurzel des Problems, wenn wir in den Keller unseres Unbewussten steigen, wenn wir diese frühen Verletzungen erkennen und sie annehmen, indem wir den (vermeintlichen) Tätern verzeihen. Wenn wir weiter gehen und noch tiefer schürfen, erkennen wir nämlich, dass auch diese Täter ihrerseits wiederum Opfer waren. Und das ermöglicht uns, ihnen zu verzeihen. Ich konnte zuerst meine eigene Bedürftigkeit vor diesem Hintergrund des verletzten Kindes erkennen. Das führte mich schliesslich in die Selbständigkeit und in die Selbstliebe. Und damit wird auch echtes Mitgefühl möglich. Das ist für mich das Herz.

Und schliesslich der Körper. Der Weg zur Annahme meines Körpers oder meiner Lebendigkeit führte mich ebenfalls über die Manngeburt. Wer zuerst seinen Geist öffnet, der mag die Körperlichkeit für überwunden halten. Doch das ist ein Holzweg. Wir haben in der Manngeburt die Archetypen mit ihren Schattenausprägungen „angeschaut“. Wir haben sie aber nicht theoretisch abgehandelt, wir haben nicht analysiert und interpretiert, sondern wir sind mitten hinein gegangen. Wir haben uns diesen Schattenseiten gestellt. Wir haben den Täter, den Mörder oder auch den Tyrannen und den Sadisten in uns gefühlt und damit auch die positive Kraft, die dahinter steht. Für mich war der Krieger die grosse Entdeckung der Manngeburt. Da war so viel Kraft unter der Ablehnung des gewaltfähigen Kriegers verschüttet. Wer diese Kraft ablehnt, der beraubt sich dieser Energiequelle. Der lehnt auch einen Teil seines menschlichen Wesens ab und kann nicht ganz werden. Auf der Ebene Körper geht es also vor allem darum, sich als Mensch mit allen seinen Facetten – auch den unschönen – zu erkennen und anzuerkennen. Wer sich für einen Heiligen hält, verdrängt diese Aspekte, die sich dann umso gewaltsamer Bahn brechen oder ganz einfach krank und schwach machen.

Ich fasse (für mich und für euch) nochmals zusammen: dem Herzen (über die Selbstliebe) und dem Körper (über die Kraft und ihre Schattenseiten) kommt man über eine Auseinandersetzung mit unbewussten Aspekten seines Wesens näher. Ein Format wie die Manngeburt, die dies in einen rituellen Raum einbettet und in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten lebt, hilft dabei. Die geistige Ebene erreicht man durch die Einkehr nach Innen, in die Stille und somit durch Achtsamkeit und Meditation. Und auch dies praktizieren wir in der Manngeburt und im kleinen Rahmen auch in unseren Seminaren.

In unserer Manngeburtsgruppe waren 12 Individuen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund. In der trotz allem doch kurzen Zeit (9 Monate) lassen sich nicht alle Hindernisse aufs Mal wegräumen. Je nachdem kommt man auf einer Ebene weiter als auf den anderen. Manchmal gilt es riesige Brocken wegzuräumen, bevor man den nächsten Schritt machen kann. Und dann geht die Arbeit weiter. So wie bei uns allen – denn nobody is perfect. Und die Entwicklung hin zur Ganzheit ist für mich der eigentliche Sinn unseres Daseins. Und wo stehst du?

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